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Cannstatter Zeitung, 22.03.2008

Artikel aus der
Cannstatter Zeitung
vom 22. April 2008

Der Tazzelwurm dampft wieder durch den Höhenpark

Kleinbahn am Killesberg fährt an Sonn- und Feiertagen künftig eine Stunde länger

Von Andrea Eisenmann

Stuttgart - Es raucht, dampft, zischt und klingelt: Seit Donnerstag dreht im Höhenpark Killesberg wieder die Kleinbahn ihre Runden. Und obwohl ihnen ein kalter Wind um die Nase blies, ließen es sich 30 Kindergartenkinder nicht nehmen, bei der ersten Ausfahrt dabei zu sein.

Felix ist trotz seiner vier Jahre ein alter Hase. Mehrmals sei er mit der Kleinbahn bereits im Höhenpark unterwegs gewesen, lässt er die umstehenden Kinder wissen. “Aber der Ronny, der fährt immer schneller als die anderen.” Wer hinter “Ronny” einen der Züge vermutet, irrt. Ronny Rüchel ist Lokführer, Mechaniker und gute Seele der Kleinbahn. Seit 17 Jahren bringt er Alt und Jung die Attraktionen des Killesbergparks näher, in wenigen Tagen ist damit jedoch Schluss: Der 37-Jährige will sich beruflich neu orientieren. Zum Saisonauftakt darf er den Tazzelwurm noch einmal auf der 2,3 Kilometer langen Runde durch den Park steuern. “Ein bisschen Wehmut ist dabei”, gesteht er. Allerdings steht mit Peter Makein bereits sein Nachfolger fest.

Seit 1939 gibt es die Kleinbahn im Höhenpark. Waren die ersten Loks noch geliehen, wurden in den 50er-Jahren bei Krauss-Maffei eigene beschafft. “Ein Höhenpark ohne Kleinbahn ist nicht vorstellbar”, zeigte sich Werner Koch, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamt überzeugt. Seit einem Jahr ist das Amt für die Kleinbahn zuständig - ein gutes Jahr. “Wir konnten mit 102 000 Besuchern die Fahrgastzahlen erhöhen.” Allerdings will man sich auf dem Erfolg nicht ausruhen. Ziel sei es, die Kleinbahn kostendeckend zu betreiben. 200 000 Euro wurden 2007 durch Fahrgeldeinnahmen erwirtschaftet, die Gesamtkosten lagen bei etwa 350 000 Euro. Unterstützung im Bemühen, mehr Fahrgäste anzulocken, kommt nun von Seiten der Stuttgarter Straßenbahnen. Diese wird in den kommenden Monaten Werbung für die Kleinbahn machen. Eine neuaufgelegte Broschüre mit dem Titel “4 für Stuttgart - das liebenswerte Bahnenquartett” wird neben der Zahnrad-, Standseil- und der Straßenbahn auch die Parkbahn präsentieren, ein neuer Werbezug auf der Stadtbahn soll Passanten und Fahrgäste auf die Existenz von “Tazzelwurm”, “Schwoabapfeil” und “Blitzschwoab” aufmerksam machen. Eisenbahnfreunde sollten sich den 23. Juli dieses Jahres im Kalender markieren. “Wir planen einen Tag der Dampfeisenbahn”, verrät Koch. Die Hauptattraktion wird voraussichtlich eine Kleinbahn aus Dresden sein, man verhandle über einen Austausch der Loks.

Auf einen zweiten Haltepunkt an der Seenterrasse müssen die Fahrgäste weiter warten. “Wir hoffen, dass im Doppelhaushalt 2010/ 2011 Mittel dafür eingestellt werden.” Allerdings ist der weitere Stopp im Herzen des Parks kein billiges Unterfangen: 70 000 Euro Kosten fallen für die Gleise, 35 000 Euro für den Umbau der Signalanlagen an. Eine Beschallungsanlage, mit der Fahrgäste über Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke informiert werden, sei bestellt, “allerdings hat uns die Firma im Stich gelassen.” Umgewöhnen muss man sich beim Anblick des Zugpersonals: Die Lokführer werden künftig in historischen Uniformen die Kohle schaufeln, gespendet wurden diese vom 1993 gegründeten Förderverein.

Die Kleinbahn ist Montag, Dienstag, Donnerstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 19 Uhr unterwegs. In den Osterferien fahren die Loks von 10 bis 18 Uhr.

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