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Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 22. April 2008
Immer mit Volldampf voraus
Kleinbahn nimmt Fahrt auf
17 Jahre lang hat Ronny Rüchel der Herr der Kleinbahn auf dem Killesberg gewesen. Jetzt sagt er dem Kohleschippen Ade und gibt das Zepter an seinen Nachfolger Peter
Makein ab. Am Donnerstag hat die Kleinbahnsaison wieder offiziell begonnen.
Von Viola Volland
Ronny Rüchel braucht nur einen Arm zum Kohleschaufeln. Eine Schippe noch, schon schießt der Dampf in die Luft und die historische Bahn setzt sich in Bewegung. Vorbei an
frisch gepflanzten Stiefmütterchen geht es durch den Höhenpark Killesberg. Während viele der Kindergartenkinder im Zügelein ihre erste Runde mit dem Tazzelwurm drehen, ist es für Rüchel eine seiner
letzten Fahrten.
17 Jahre lang ist der Industriemechaniker, den seine jungen Fahrgäste immer nur “den Ronny” genannt haben, für die historische Kleinbahn verantwortlich gewesen – als
Lokführer, Schaffner und Mechaniker. Nun, zu Beginn der neuen Saison, sagt Rüchel mit “ein bisschen Wehmut” dem Killesberg Ade. Statt die Dampfloks Tazzelwurm und Springerle sowie die Dieselloks
Blitzschwoab und Schwoabapfeil zu warten, wird der 37-jährige in Zukunft als Verfahrenstechniker im Umweltschutz arbeiten.
Rüchels Platz nimmt vom 1. April an der Machinenschlosser Peter Makein ein, der gerade eingelernt wird und wie sein Vorgänger ein leidenschaftlicher Bastler ist. Eine
der 58 Jahre alten Dampfloks hat Makein bereits komplett zerlegt und wieder zusammengebaut, so dass sie fit ist für die neue Saison, die am Donnerstag offiziell gestartet ist. “Dafür bin ich da, ich
sorge dafür, dass die Dinger laufen”, sagt der 47-Jährige.
Das Garten-, Friedhofs und Forstamt, das die Kleinbahn seit einem Jahr betreibt, will wiederum dafür sorgen, dass möglichst viele Parkbesucher das Angebort wahrnehmen. In
einer neuen Kooperation mit den Stuttgarter Straßenbahnen wird die Kleinbahn verstärkt beworben. So sollen die Fahrgastzahlen noch weiter erhöht werden. 2007 sind es laut Amtsleiter Werner Koch
102 000 Fahrgäste gewesen. Die erzielten Einnahmen reichten, um etwa 70 Prozent der Kosten zu decken.
Ein zweiter Halt in der Nähe des Kinderspielplatzes konnte bisher nicht verwirklicht werden. Dieser würde inklusive der Signalanlagen 105 000 Euro kosten. Das Ziel des
Gartenamts ist, dass das Geld im nächsten Doppelhaushalt bereitgestellt wird.
Als die historische Kleinbahn 1939 während der Reichsgartenschau erstmals im Höhenpark verkehrte, war der Rundkurs noch 3,5 Kilometer lang – heute sind es 2,1 Kilometer.
Die Dampfloks Tazzelwurm und Springerle sowie der Blitzschwoab zuckeln seit 1950 durch den Park. Die beiden Dampfloks entspringen einer Kleinserie von Krauss-Maffei, zu der noch eine dritte Lok gehörte.
Sie habe es, erzählt Ronny Rüchel ins heutige Mumbai verschlagen. Bis Mitte Oktober wird die Kleinbahn im Einsatz sein. Für Makein bedeutet das, keine freien Wochenenden mehr zu haben. Aber der
Stuttgarter ist ganz anderes gewöhnt. Jahrelang hat er im Außendienst gearbeitet. In Amerika, Vietnam und Kanada hat er Industriewaschmaschinen aufgebaut. Sein Leben spielte sich in Hotels ab. “Jetzt bin
ich schon sechs Wochen am Stück zu Hause. Das ist eine schöne Sache”, sagt Makein. Er freut sich, angekommen zu sein.
Die Kleinbahn verkehrt in den Osterferien täglich von 10 bis 18 Uhr immer zur halben und vollen Stunde. Kinder (drei bis sechs Jahre) zahlen 1,50, Erwachsene 2,60 Euro;
www.killesberg-kleinbahn.de
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